Um zu wissen, wie die Belastung war, und welche Bewegungen es zur Befreiung brauchte, ist etwas Geschichte der Bewegungen nötig:

Es gab schon um 1905 eine erste breitere Organisation unter arrivierten Herren: Magnus Hirschfeld, der den mutigen Impuls von Karl Heinrich Ulrichs beim Deutschen Juristentag im Odeon in München aufnahm, gründete am 15. Mai 1897 (vier Tage vor Oscar Wildes Haftentlassung) zusammen mit dem Verleger Max Spohr, dem Juristen Eduard Oberg und dem Kolonialschriftsteller Franz Joseph von Bülow in Berlin das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee, das auch in München eine Gruppe fand:

In München existierte von 1902 bis 1908 eine Zweigstelle.[5] Initiator des Subkomitees war der Apotheker Josef Maria Schedel. Am 6. August 1902 kam es zu einer Vorbesprechung in dessen Wohnung in der Amalienstraße 16. Dabei waren auch Magnus Hirschfeld, Wilhelm Walloth, August Fleischmann und Alfred Schuler anwesend.

Magnus Hirschfeld (14.05.1868-14.05.1935) Sexualwissenschaftler, Aktivist https://magnus-hirschfeld-tag.de

Magnus Hirschfeld hatte am 14.5. Geburts- und Sterbetag: 1868-1935, sah sein Lebenswerk zerstört: Als jüdisch-stämmiger Sexual-Wissenschaftler war er ein besonderes Feindbild der Nazis, die sein Institut und seine internationale Sammlung zur Kulturgeschichte der Sexualitäten zerstörten, seine Bücher und Bibliothek verbrannten.

Seine Forschungen zu den verschiedenartigen Ausprägungen der Geschlechter und der sexuellen Orientierungen sind bis heute in der Bundesrepublik nicht genügend gewürdigt, die Lehrstühle für Sexualwissenschaft wieder reduziert: Reaktion seit bis hin zum §218 / §219 … immerhin eine rare Sondermarke 2018 zum 150. Geburtstag.

«Die Begriffe übernatürlich, unnatürlich und widernatürlich sind Zeichen mangelnder Naturerkenntnis»

Die Sexualwissenschaft hatte sich zur selben Zeit wie die Psychoanalyse mit einem Schwerpunkt in Berlin entwickelt: Vor allem Magnus Hirschfeld und seine Gesellschaft:

„1897 gründete er in seiner Charlottenburger Wohnung in der Berliner Straße 104 (heute Otto-Suhr-Allee) mit dem Verleger Max Spohr, dem Juristen Eduard Oberg und dem Schriftsteller Franz Joseph von Bülow das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee … für queeres Leben, wie wir heute sagen würden.

Von 1899 bis 1923 gab Magnus Hirschfeld 23 Jahrgänge der Zeitschrift Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen heraus. … Seine Umschreibung auch für bisexuelle und trans- wie inter* Lebensformen.

1908 gründete er die Zeitschrift für Sexualwissenschaft, deren Herausgabe er im gleichen Jahr wieder einstellen musste.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Hirschfeld

sowie das Institut „1918 richtete er die Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung ein, Grundlage für eine weitere Pionierleistung von ihm, die Gründung und Ausstattung der weltweit ersten Einrichtung für Sexualforschung – sein Institut für Sexualwissenschaft. https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Hirschfeld

Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit Textsammlung zur kritischen Rezeption, Magnus Hirschfeld Gesellschaft https://www.magnus-hirschfeld.de/publikationen/geschlecht-gesellschaft-sexualitat/durch-wissenschaft-zur-gerechtigkeit/

On 6 July 1919 Berlin sexologist Magnus Hirschfeld (14 May 1868-14 May 1935) founded the world’s first GenderStudies sexualresearch LGBTQ rights advocacy center. 6 May 1933 Nazis raided it, smashed Antinous Albani basrelief, burnt books. https://antinousgaygod.blogspot.com/2019/05/magnus-hirschfeld-saint-of-antinous.html

20.10.1920 Magnus Hirschfeld in München niedergeschlagen

Der Begründer der Sexualwissenschaft in Deutschland, mit dem international angesehenen Institut in Berlin, Magnus Hirschfeld, hielt auch in München am 20.10.1920 einen Vortrag, anschließend wurde er von Hakenkreuzlern verfolgt und so brutal niedergeschlagen, dass im Krankenhaus „mit dem Schlimmsten“ gerechnet wurde. Am nächsten Tag konnte er in der Zeitung seine Todesanzeige lesen … https://magnus-hirschfeld.de/

https://www.teenvogue.com/story/lgbtq-institute-in-germany-was-burned-down-by-nazis

Die Bücherverbrennung 6.Mai 1933 Berlin mit Goebbels-Rede https://youtu.be/kHCmiWaHUCw

Analyse und Widerlegung der nationalsozialistischen Rassendoktrin

Magnus Hirschfeld verfasste zwischen 1933 und 1934 eine Analyse und Widerlegung der nationalsozialistischen Rassendoktrin, die postum 1938 in englischer Übersetzung unter dem Titel Racism veröffentlicht wurde. Diese Arbeit ist eine der ersten, die den Begriff Rassismus nutzt.

Rassismus diene als Sicherheitsventil gegen ein nationales Katastrophengefühl und scheine für die Wiederherstellung der Selbstachtung zu sorgen, zumal er sich gegen einen leicht erreichbaren und wenig gefährlichen Feind im eigenen Land richte und nicht gegen einen achtenswerten Feind jenseits der nationalen Grenzen.[22]

Dem Konzept der „Rasse“ konnte Hirschfeld nichts abgewinnen, was von wissenschaftlichem Wert wäre; stattdessen empfahl er die Streichung des Ausdrucks, „soweit damit Unterteilungen der menschlichen Spezies gemeint sind“.[23]

Magnus Hirschfeld Wirkungen in München

Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee WHK München und seine Wirkungen: Schriften im Archiv Queeres Forum München http://forummuenchen.org

„Ab Mitte der 1920er Jahre arbeitete Levy-Lenz als Sexualtherapeut und Chirurg an Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und engagierte sich auch publizistisch im Kampf gegen Geschlechtskrankheiten und für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. … Ludwig Levy-Lenz verstarb am 30. Oktober 1966 in einem Münchner Krankenhaus, und erst vor kurzem – im Frühjahr 2020 – ist es gelungen, seine Grabstelle ausfindig zu machen. Sie befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof (Sektion 17 Reihe 11 Grab 16) in München, Garchinger Straße 37. https://magnus-hirschfeld.de/gedenken/erinnern/hirschfeld-familie-und-freunde/ludwig-levy-lenz-munchen

Gedenken am 20.Oktober um 19h in München

Seit vielen Jahren organisiert das Forum Queeres Archiv München zusammen mit einem jeweils anderen Verein eine Gedenkstunde am Bodendenkmal in der Dultstraße, gegenüber vom Stadtmuseum und Jakobsplatz mit Synagoge, zu den Razzien in der Gestätte Schwarzfischer und am heutigen Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz am 20.Okt 1934 durch die Polizei, als Auftakt der verschärften Schwulenverfolgung nach der Nacht der Lanken Messer, bekannter als „Röhm-Putsch“ Ende Juni / 1.Juli 1934 mit hunderten von Toten im damaligen Reich, Linke, Kirchenleute, Richter …