… des Rathaus #München gab es einen spannenden Rückblick auf all die Jahre der Schwulenverfolgung und der letzten Diskriminierungen in der Zeit, als Aids in Bayern zu reaktionären Ausfällen führte:

Public History im Kulturreferat München in Kooperation mit der Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ* und der Münchner Stadtbibliothek zur Veranstaltung „Schwul als Feindbild – Homosexuellenfeindlichkeit und Hassgewalt im Kontext der Aids-Krise“ am 17. Juni ’26

Der Historiker Matthias Gemählich und der Journalist Phillip Syvarth behandelten Homosexuellenfeindlichkeit und Hassgewalt im Kontext der Aids-Krise und ihre Folgen.

Im anschließenden Zeitzeug*innengespräch mit Sabrina Berndt und Miss Piggy zu spezifischen Erfahrungen in der Landeshauptstadt München von den 1980er Jahren bis heute ging es vor allem um die Unterschiede im Lebensgefühl der Jahre nach 1970 und 1980, bis Aids und die bayrischen CSU-Maßnahmen zur vermeintlichen Seuchenpolitik das Lebensgefühl zerstörten:

Überzogene Maßnahmen ohne tatsächliche wissenschaftliche Grundlagen und Experten-Einbeziehung, und das zahlreiche Sterben von Bekannten in den Lokalen …

Zu ergänzen wären noch für zukünftige Veranstaltungen die Sicht der Vereine, die dann die Münchner Aidshilfe gründeten, und das Grundgerüst dafür mitbrachten:

Beratungstelefone wie das Rosa Telefon und die Beratungsgruppe rat_und_tat des Verein für sexuelle Gleichberechtigung seit etwa 1976, die Gruppe Homosexuelle und Kirche in Ismaning, die mit einem Theaterprojekt 1984 in der Nacht der Solidarität den Katholikentag in München in ausverkaufter Olympiahalle mit 10.000 Besuchenden und den damaligen Zahlen von „abweichendem Verhalten“ ergänzten:

Jede 20. Person bekam einen roten Stempel, stellvertretend für die damals angenommenen 5% an unsichtbaren Lesben und Schwulen in der Gesellschaft, heute wüssten wir, dass mit den a- und bisexuellen, den inter*- und Transsexuellen und Non-binären die Queere Belegschaft sich auf über 10% einordnet.

Der Maßnahmenkatalog umfasste die Testung für Beamten-Anwärter, Prostituierte und Stricher, die Diskussionen und reaktionären Ideen waren aber von „Ränder Ausdünnen“ bis Tätowieren und Zwangslager gegangen,

viele Kneipen und Saunen mussten schließen, weil Polizei-Razzien die Stimmung killten, das Kneipen-Sterben begann …

Zu ergänzen wäre auch die inzwischen hervorragend gewordene Polizei, die auch von sich aus an die Aufarbeitung der früheren Übergriffe geht, hoffentlich auch an die ungute Rolle des Kommissar Bienlein, der als Schwulenjäger auch den Empfangschef des Bayrischen Hof in den Knast gebracht hatte …

erwähnt wurde die emanzipatorische Arbeit der FDP und der neu gegründeten Grünen im Rathaus ab etwa 1984 mit dem ersten offen schwulen Stadtrat Gerd Wolter, etwa zeitgleich mit einem ersten schwulen Bundestagsabgeordneten … aber noch zu würdigen bleibt die Rolle von Rita Süßmuth in der CDU, die auf Bundesebene mäßigend wirkte.

Der Abend ist Teil der Veranstaltungsreihe „Diversität im Visier – rechte Gewalt gegen Minderheiten“. Ausgangspunkt der Reihe sind die Taten der neofaschistischen „Gruppe Ludwig“. Diese ermordete zwischen 1977 und 1984 Menschen, die sie als Bedrohung für die sogenannte Volksgemeinschaft imaginierte: Homosexuelle, Sexarbeiter*innen, Sinti*zze und Rom*nja, Drogenabhängige und Obdachlose.

Im Januar 1984 begingen die Täter einen Brandanschlag auf die Diskothek „Liverpool“, die dem Münchner Sexgewerbe zugeordnet wurde. Corinna Tartarotti verstarb an den Folgen des Anschlags. Zwischen 1977 und 1984 ermordete die „Gruppe Ludwig“ mindestens 14 weitere Personen.